4 Umgangsstrategien: Wie du mit einem Narzissten am besten umgehen kannst, wenn du es musst

4 Umgangsstrategien: Wie du mit einem Narzissten umgehen kannst, wenn du es musst

Die Kein-Kontakt-Regel zu etablieren und einzuhalten ist die ultimative Basis, um eine vollständige Regeneration erreichen zu können. Jedoch gibt es immer Fälle, in denen der Kontakt oft nicht ganz vermeidbar ist, z.B. bei gemeinsamen Kindern oder in der ersten Zeit einer Scheidung. Hier gilt es, wirkungsvolle Umgangsstrategien im Gepäck zu haben, um das Schlimmste abzuwehren und das Beste für dich (und mögliche gemeinsame Kinder) zu erhalten.

Im Wesentlichen gibt es vier Umgangsstrategien, die du anwenden kannst, um einen nicht zu vermeidenden Umgang mit dem Narzissten zu meistern. Es ist mir wichtig, vorab aber zu betonen, dass diese Strategien nur in entsprechenden Notfällen zum Einsatz kommen sollten bzw. in mehr oder weniger regelmäßigen Situationen, denen du dich definitiv nicht entziehen kannst. Setzt du diese Strategien ein, um die Kein-Kontakt-Regel zu umgehen, werden sie dir langfristig nicht helfen, sondern noch mehr schaden. Spiele keine Spiele, die du nicht gewinnen kannst und die dich ernsthaft (weiter) traumatisieren können.

Die folgenden Umgangsstrategien sind daher für dich nur dann geeignet, wenn du die Kein-Kontakt-Regel schon durchführst – ob nun vollständig oder in Form des angepassten Kontakts. Die Kombination beider Bereiche ergibt letztlich die Unterstützung, die sinnvoll ist.

Die wichtigsten Umgangsstrategien

Die „Gray Rock“-Methode

Der Narzisst provoziert dich, da er eine Reaktion von dir erleben will. Sei es nun Angst, Wut, Verwirrung, Weinanfälle. Egal, was es sei, für ihn ist es ein aufregendes Spiel – sein Lieblingsspiel. Deine emotionalen Reaktionen sind für ihn ein wahrer Kick, sogar ein regelrechtes „High“, und bereiten ihm leuchtende Augen. Er erhält nämlich Unmengen an narzisstischer Zufuhr. Die sogenannte „Gray Rock“-Methode besagt, dass du ihm genau dieses Lieblingsspiel durchkreuzt. Du hinterlässt ihn mit kaum Zufuhr und Aufregung, indem du ihm flach und völlig langweilig antwortest. Deine Reaktionen sollten ihn derart langweilen, dass er aufpassen muss, nicht einfach schlafend vom Stuhl zu kippen. Gähnende Langeweile ist bei Durchführung dieser Strategie dein Motto. Wenn der Narzisst bemerkt, dass er bei dir nichts holen kann, außer Schläfrigkeit, wird er im besten Fall den Kontakt mit dir meiden oder ihn zumindest kurz halten. Versaue ihm sein Lieblingsspiel, indem du dich total uninteressant machst.

Narzisstische Konversationen zum Scheitern bringen

Der Narzisst spielt mit deinem Verstand herum, indem er dir verwirrenden Wortsalat anbietet und zirkuläre Konversationen durchführt. Du sollst so vom Missbrauch abgelenkt und gleichzeitig aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Er behauptet, etwas nicht gesagt zu haben (was er aber natürlich gesagt hat), streitet ab, bewirft dich mit unlogischen Argumentationsketten und seiner völlig verdrehten Realität und erzeugt bei dir Frustration, Verwirrung und eine beständige Zerstörung deiner Grenzen. Du bist damit beschäftigt – Stunden, Tage, Wochen, Monate – herauszufinden, was er eigentlich gesagt hat und um was es geht, während du deine wertvolle Lebenszeit opferst, jede Menge deiner kostbaren Energie und Kraft verschwendest und letztlich dich selbst in Frage stellst. Es ist eine beliebte Taktik, dich total verrückt zu machen.

Um dem entgegen zu treten, kannst du umlenken auf ein Gesprächsthema, vom dem du genau weißt, dass er gerne darüber spricht und das seine Gier nach Aufmerksamkeit befriedigt, aber für dich ungefährlich verlaufen wird. Im besten Fall handelt es sich um ein Thema, was für dich noch interessanter ist. So ist deine Zeit wenigstens noch ganz gut investiert.

Auch kannst du seine wirren Aussagen einfach bewusst positiv bestätigen, damit er seine Portion Zufuhr bekommt. Das Gespräch am ungefährlichsten abbrechen kannst du, indem du ihm freundlich bestätigst, wie interessant seine Erzählungen sind und ihm gleichzeitig eine Entschuldigung für deinen anstehenden Aufbruch bietest.

Narzisstische Konversationen können also zum Scheitern gebracht werden, indem du bewusst seine narzisstische Gier befriedigst und so den Schaden von dir abwendest. Einigen Opfern narzisstischen Missbrauchs fällt es trotz der positiven Auswirkungen auf sie schwer, seinen Narzissmus auf eine gewisse Weise punktuell zu unterstützen. Hier kann es dir helfen, wenn du einfach etwas Humor mit einbaust, z. B.: „Das ist ja echt interessant, was du da erzählst! Entschuldige bitte, aber ich muss jetzt mit meiner Raumkapsel zum Mond fliegen. Wir sprechen ein anderes Mal weiter. Ciao!“ Natürlich im höflichen Ton und mit einem freundlichen Lächeln in deinem Gesicht.

Entgegengesetzt handeln

Dies ist eine recht einfache und zugleich wirkungsvolle Strategie. Wenn du zum Beispiel bemerkst, dass du wütend wirst oder gleich in Tränen ausbrichst, dann lächle oder lache. Da dein Gehirn den Unterschied zwischen einem echten Lächeln und einem gefakten Lächeln nicht kennt, wird es auf dein falsches Lächeln genauso reagieren wie auf ein echtes Lächeln. Du erhöhst auf diese Weise deine Chancen enorm, dass dein Gehirn und deine Biochemie deiner Handlung folgen, somit der Stresspegel sinkt und du nicht in die konditionierten Muster fällst. Du fühlst dich besser und leichter.

Der Narzisst wird derweil in akute Verwunderung, sogar Verwirrung, stürzen, da er andere Reaktionen von dir gewohnt ist und nun eigentlich in dein Wut verzerrtes Gesicht sehen will oder in deinen Tränen baden möchte. Lache, lächle und antworte einfach gar nicht. Und vielleicht wandelt sich dein zunächst falsches Lachen schon bald in ein echtes Lachen, wenn du nämlich bemerkst, wie absurd und bizarr seine narzisstischen Taktiken in Wahrheit sind.

GGG – Gefühle hinterfragen, Gedanken verändern & Grenzen bilden

Gefühle zu hinterfragen ist enorm wichtig im Umgang mit Narzissten, damit wir aus der Position der Selbstachtung und letztlich der Selbstermächtigung heraus agieren können. Sobald wir über die narzisstischen Taktiken informiert sind, beginnen wir damit, mehr in uns zu sehen als einfach nur das Opfer seiner Taktiken. Opfer sind weitaus stärker als sie denken. Wenn du den Narzissten als das erkennst, was er ist, dann wirst du den Fokus, der auf deinen Reaktionen ihm gegenüber liegt, verlieren, einen Schritt zurück treten und kaum noch Notwendigkeit darin sehen, überhaupt auf ihn zu reagieren. Dies führt dich auch zu einer Reflexion über deine Grenzen und wie du sie bilden kannst. Die Akzeptanz dessen, dass deine Gedanken darüber, wie der Narzisst sei, erheblich davon abweicht, wie er in Wirklichkeit ist, lässt dich freier und glücklicher werden und Ängste gehen verloren. Der Narzisst braucht seine Opfer, um überleben zu können, da er beständig auf Zufuhr angewiesen ist.

Wenn du dir mal wieder den Kopf darüber zerbrichst, was der Narzisst gesagt oder getan hat, dann höre damit auf, tritt einen Schritt zurück, hinterfrage deine Gefühle, akzeptiere sie, verändere deine Gedanken und bilde Grenzen. Die permanenten Projektionen des Narzissten sollten von dir nicht übernommen werden. Beginne zu verstehen, dass es sich hierbei um einen toxischen Menschen handelt, der sich ausbeuterisch verhält und dass seine brutalen Taktiken dir nichts als Schmerz und Leid zu fügen. Dies zu akzeptieren, wird dir dabei helfen, deine Reaktionen zu verändern und in Situationen mit dem Narzissten agieren zu können, ohne dein Innerstes berühren zu lassen.

Übung macht den Meister

Wie du wahrscheinlich bemerkt hast, ist hier an mancher Stelle ein entsprechendes Training vonnöten. Natürlich auf Basis einer guten Wissensbildung über Narzissmus und vor allen Dingen den Missbrauch. Auch das Aufgreifen und Etablieren deiner Selbstermächtigung, ist hierfür unerlässlich, da sonst die Gefahr zu hoch ist, dass der Narzisst die Strategien sofort konterkariert und gegen dich verwendet.

Grundsätzlich kommst du nicht umhin, die Umgangsstrategien zu üben, wenn du mit dem Narzissten zwangsläufig in Kontakt treten musst. Schlägt eine Strategie fehl, weil du noch nicht gut genug geübt bist, er die Kontrolle an sich reißt oder du schlicht einen „Fehler“ machst, dann brich sofort ab und ziehe dich zurück. Geh in die Selbstreflexion und versuche auszumachen, wo es gehakt hat, was zu tun ist und wie du es zukünftig besser machen kannst.

Auf diese Weise wird dir der lästige Kontakt leichter fallen, du erwirkst für dich Schutz und kannst ihn u. U. sogar in die Flucht schlagen, sodass er von sich aus nur noch den Kontakt sucht, wenn er wirklich muss (in einigen Fällen lässt der Narzisst von seinen einstigen Opfern sogar ganz ab). Mehr Ruhe und Frieden sind somit für dich möglich.

Herzliche Grüße,

PS: Ich bin übrigens der Ansicht, dass du es wert bist, ein Leben nach deinen Wünschen zu führen.

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